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Nähmaschinen Inspektion – warum ist das so wichtig?

Wer seine Nähmaschine liebt und lange Freude an ihr haben möchte, der gönnt ihr ab und an eine Nähmaschinen Inspektion. Klarer Fall, oder? Nicht ganz.

Denn, was zum Beispiel bei einem Auto zur Normalität gehört, wird bei Nähmaschinen oft einfach vergessen oder ist erst gar nicht im Bewusstsein. Dabei ist es die regelmäßige Inspektion, die gewährleistet, dass die Leistung eurer Nähmaschine konstant bleibt und sich die Lebensdauer verlängert. 

Zeit für ein bisschen Information! Hier erfahrt ihr, was so alles hinter einer Inspektion steckt…  

  1. Warum eine Nähmaschinen Inspektion?
  2. Wann und wie oft?
  3. Was wird bei einer Nähmaschinen Inspektion gemacht?
  4. Wieviel kostet das?
  5. Wann lohnt sich eine Nähmaschinen Inspektion?
  6. Was, wenn eine Reparatur daraus wird?
  7. Was kann ich selbst zur Pflege meiner Nähmaschine beitragen?
  8. Wo kann ich eine Nähmaschinen Inspektion machen lassen?

 

1. Warum ist eine Nähmaschinen Inspektion überhaupt notwendig?

Beim Nähen sind logischerweise viele winzige Fasern im Spiel, welche die Stoffe und Garne während des Verarbeitungsprozesses absondern. Hinzu kommen Dreck und Staubpartikel, die sowieso in der Luft umher schwirren – und fertig ist der fiese Mix, der sich so nach und nach in allen möglichen Bereichen eurer Nähmaschine ablagert. Das lässt sich eigentlich gar nicht verhindern.

Ein besonders eindrucksvolles, wenn auch extremes Beispiel, seht ihr hier:
Bei dieser Nähmaschine wurde der Boden abgeschraubt. Was kommt da nicht alles zum Vorschein… 

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So sieht eine Nähmaschine nach Jahren der Nutzung ohne eine Nähmaschinen Inspektion aus.

Das ist das Ergebnis von „Ganz viel nähen und nie zur Inspektion“. Da muss man schon zwei mal hinschauen, oder? Das wieder sauber zu kriegen ist für den Nähmaschinenmechaniker ganz schön viel Arbeit.

Dreck, Staub und textile Fasern sind das eine, das andere ist die Sache mit dem Öl.

Wenn sich der Ölfilm in der Mechanik langsam abbaut und gegen Ende vielleicht sogar „reißt“, dann wird die Nähmaschine hörbar lauter und die Teile arbeiten sozusagen auf Verschleiß. Eine Situation, die man tunlichst vermeiden sollte, da hier die meisten Schäden entstehen, die hinterher zu einer teuren Reparatur führen können.

Das dauerhafte Zusammenspiel von Öl, Dreck und Fasern führt leider auch dazu, dass die Nähmaschine mit der Zeit „verharzt“. Wenn man nichts dagegen tut, ist auch das der Anfang vom Ende der Nähfreude.

Und eines ist auch klar: wenn erstmal die Mechanik einer Nähmaschine dauerhaft leidet, dann verstellt sich auf leisen Sohlen auch die ein oder andere Funktion, und zwar ohne, dass man es groß merkt.

Bei einer Nähmaschine ist eben unheimlich viel Bewegung im Spiel.

Apropos „Bewegung“: Es gibt natürlich auch den umgekehrten Fall, dass nämlich eine Nähmaschine ihr Dasein viele Jahre auf dem Speicher gefristet hat und lange nicht in Betrieb genommen wurde. Auch das führt in der Regel dazu, dass sie nicht mehr so einfach in Fahrt kommt, weil die Mechanik verharzt. Mit einem Auto, das jahrelang rumstand und nicht bewegt wurde, kann man auch nicht einfach los fahren.  Da geht erst mal garnix.

2. Wann oder wie oft muss meine Nähmaschine in die Inspektion?

Diese Frage interessiert euch sicher am meisten. Hier ein Anhaltspunkt:
Es kommt im wesentlichen auf die Nutzungsumstände an. Wer beispielsweise super viel näht, seine Nähmaschine vielleicht sogar täglich – weil beruflich – im Einsatz hat, sollte sie tatsächlich alle ein/zwei Jahre zur Inspektion bringen. Bei normalen Gebrauch (also ab und zu) liegt der Zeitraum zwischen drei, allerlängstens fünf Jahre.  

Ihr kennt eure Nähmaschine ja ziemlich gut und merkt meist selbst, wenn sich etwas verändert, sie anders klingt oder etwas mit der Naht nicht mehr stimmt. Dann kann eine Inspektion fällig sein, zumindest, wenn es lange keine gab.

3. Was wird bei einer Nähmaschinen Inspektion eigentlich gemacht?

Eine Nähmaschinen Inspektion kann wirklich nur ein Fachmann mit viel Erfahrung machen. Denn er hat es mit der ganzen Modell- und Markenvielfalt zu tun, die in vielen Jahrzenten auf den Markt gekommen ist. Ein Vergleich mit dem „Mann vom ADAC“ finde ich treffend. Es scheint einfach keine Rolle zu spielen, welches Auto vor ihm steht, er weiß, was Sache ist und wo das Problem liegt.

Mit viel Sorgfalt wird eine Nähmaschine erst einmal demontiert, dann bis in die Tiefen der Mechanik gereinigt und anschließend sorgfältig geölt. Dabei sieht der Monteur auch, ob ein Verschleiß an den Teilen begonnen hat oder ob alles noch in einwandfreiem Zustand ist. Besonders wichtig sind hier beispielsweise die Zahnräder. Wenn die nicht mehr störungsfrei flutschen, weil sie erste Abnutzungserscheinungen haben, dann müssen sie ausgetauscht werden. Das allerdings wäre dann schon der Übergang zu einer Reparatur und muss erst mit dem Kunden besprochen werden.

Ist die Nähmaschine wieder zusammengebaut, folgt nun der große Check up. Das heißt u.a., dass Fadenspannung und auch alle sonstigen Einstellungen geprüft und fein justiert werden,  dass die Motorkraft getestet und die Nadelstange kontrolliert wird. Die darf nämlich nicht verbogen sein. Oben im Fadengeberbereich müssen eventuelle Fasern entfernt werden, um sicher zu stellen dass auch in diesem sensiblen Bereich alles geschmeidig läuft.   

Wenn eine Computernähmaschine beispielsweise einen „Unterfadenwächter“ hat, und der Bereich vor der Diode, also dem elektronischen Teilchen, dass das Fadenvolumen auf der Spule misst, leicht verdreckt ist, dann arbeitet er nicht mehr zuverlässig oder zeigt gar nichts mehr an. Die Funktion ist gestört. Auch hier müssen dann gegebenenfalls Schmutzpartikel entfernt werden.

Zum Schluss wird noch die Stichplatte in Augenschein genommen und poliert. Hier sitzen oft kleinste Schäden, die der Laie gar nicht erkennt. Wenn beispielsweise eine Nadel auf die Stichplatte haut, hinterlässt sie mitunter eine kleine Einkerbung. Diese wiederum kann zu einem fehlerhaften Nahtbild führen. Und so gibt es eben viele Details, die bei einer Inspektion geprüft und gesichtet werden.  

Ist das alles gecheckt und eingestellt, kommt zum Schluss noch das sogenannte „Einnähen“. Das heißt, es werden die unterschiedlichsten Nähprogamme der Maschine aufgerufen oder angewählt, Probe genäht und das Nahtbild begutachtet. Ist jetzt alles chic, kann die Nähmaschine wieder seinem Besitzer übergeben werden. 

4. Was kostet eine Nähmaschinen Inspektion?

Die Kosten für eine Inspektion liegen i.d.R. zwischen 70,00 – 80,00. Hinzu kommen gegebenenfalls noch Teile/Material hinzu, falls etwas ausgetauscht werden musste. Wenn man sich diesen Betrag nun vor Augen führt, sind wir gleich bei der nächsten, wichtigen Frage:

5. Wann lohnt sich eine Nähmaschinen Inspektion?

Die Antwort liegt quasi auf der Hand.  Das Alter einer Nähmaschine ist hier absolut nicht der maßgebende Punkt, denn nicht selten sind auch sehr alte Nähmaschinen noch super in Schuss.  

Wer jedoch eine Schnäppchen-Nähmaschine von Tchibo oder Lidl für 120,00 oder 150,00 ergattert hat, der wird sicherlich darüber nachdenken müssen, ob sich ein Invest von 70,00 – 100,00 hier wirklich lohnt. Das muss ja alles in Relation stehen – zum Kaufwert der Nähmaschine nämlich und auch zum eigenen Grad der Zufriedenheit.

Für manchen wird es dann vielleicht Zeit für eine neue Nähmaschine.   Hierbei hilft euch übrigens auch mein smilla Blogbeitrag „35 Tipps beim Nähmaschinenkauf“

6. Was, wenn aus der Nähmaschinen Inspektion eine Reparatur wird?

Wenn sich bei der Durchsicht ein Reparaturbedarf ergibt, dann muss der Kunde darüber informiert werden, damit er sich entscheiden kann. Oft gibt es die Regelungen, dass eine Reparatur bis € 100,00 ohne Rückfragen durchgeführt werden darf. Wenn der zu erwartende Aufwand höher ist, muss das mit dem Kunden vorher abgestimmt werden.

Übrigens: Die allermeisten Nähmaschinenmodelle, auch sehr alte, können tatsächlich repariert werden, aber für manche gibt es einfach keine Ersatzteile mehr.

7. Die Pflege der Nähmaschine – was könnt ihr selbst tun?

Natürlich könnt auch ihr etwas maßgeblich dazu beitragen, dass eure Nähmaschine funktionstüchtig bleibt.  

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Wenn ihr eine Nähmaschine habt, bei der der Metallgreifer unten sitzt (Doppelumlaufgreifer oder CB-Greifer), dann freut sich dieser Bereich – je nach Benutzungsgrad – ca. alle 4 Wochen über einen Tropfen Nähmaschinenöl.

 

 

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Bei modernen Computernähmaschinen mit sogenanntem Horizontalgreifer allerdings darf man das nicht machen.

Der Greiferbereich sitzt oben und ist heutzutage völlig anders konstruiert. Dort ist kein Öl nötig. Das Öl, um das es hier geht, sitzt in der Mechanik und da kommt nur der Monteur ran. Also Finger weg und bitte nichts auseinander bauen. Allerdings ist es hier sinnvoll, den Bereich, in dem die Spule liegt, von Zeit zu Zeit auszubauen, um Garn, Staub und Dreckpartikel zu entfernen.

Hierzu müsst ihr – je nach Nähmaschinenmodell – die Stichplatte entfernen (manchmal abschrauben, manchmal hochklicken), dann die Spule, wie auch die Spulenkapsel, herausnehmen und den Bereich mit einem Pinsel und einem feuchten Tuch reinigen. Danach wieder ordnungsgemäß einsetzten.

Ganz wichtig ist auch, dass ihr ab und zu auch mal die Nadel wechselt. Das ist in der Tat etwas, was viele vergessen und sich dann über ein unschönes Nahtbild wundern.

Hard cover, close-up
Und übrigens: es ist immer von Vorteil wenn ihr euch angewöhnt, die Nähmaschine nach getaner Arbeit abzudecken. Eine Hülle, besser noch eine Kunststoffhaube, ist ja in der Regel mit dabei. Sie schützt das Gerät vor Stoß und Staub.  

So ihr Lieben, jetzt wisst ihr, was Sache ist, und könnt entsprechend reagieren. 

 

8. Wo kann ich eine Nähmaschinen Inspektion machen lassen?

Eigentlich sollte jedes Nähmaschinenfachgeschäft auch Annahme für Inspektionen und Reparaturen sein. Dabei ist es völlig egal, um welche Marke oder Modell es sich handelt. Zumeist machen sie es nicht selbst, haben aber eine Kooperation mit einem Mechaniker und wickeln das ganze für euch ab. Erkundigt euch besser, bevor ihr die Maschine einpackt und losfahrt, denn die Schlepperei sollte nicht umsonst sein. 

Wir bei smilla nehmen jedenfalls gerne eure Nähmaschine zur Inspektion oder Reparatur an.  Und  so manchesmal kriegen wir eine Nähmaschine, die „bockt“, auch durch eine Kleinigkeit schon wieder zum Laufen. 

Und noch etwas Wichtiges:
Auch eure Overlockmaschine freut sich über eine Inspektion!

Herzlichst, eure Tina

 

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5 Gedanken zu „Nähmaschinen Inspektion – warum ist das so wichtig?
  1. #3
    Gudrun Jensen

    Das ist ein wirklich interessanter Beitrag. Was mich aber stutzig macht, ist dass es hier nur um „den Mann vom ADAC“, „den Monteur“, „den Fachmann“ und „den Mechaniker“ geht. Könnte man das nicht auch geschlechtsneutral formulieren? Der ADAC, „das Montagepersonal“, „die Fachleute“, „Mechaniker/in“ wäre auch möglich, oder?

    Antworten
    1. Tina
      #4
      Tina Artikelautor

      liebe Gudrun, Du hast recht, das kann man natürlich. Es ist nur so, dass ich in 20 Jahren und weltweit nicht eine einzige Frau angegtroffen habe, die Nähmaschinen repariert. Es gibt sowieso nur sehr sehr wenige, die das noch können und anbieten. Wahrscheinlich kam ich deshalb nicht auf Idee, das neutraler zu formulieren.

      Antworten
  2. #5
    Irene Heine

    hallo tina,
    endlich mal alles umfassend und verständlich erklärt! danke dafür.

    ich habe gerade meine w6 nähmaschine ( 1 jahr alt- neupreis 149€) für 87€ warten lassen. sehr ärgerlich.
    bin jetzt am überlegen, mir eine höherwerige maschine zuzulegen, in der hoffnung, daß der wartungsintervall größer ist, bzw. sich da vielleicht die fadenspannung etc. nicht so schnell verstellt.
    kann die fachfrau mir raten?
    dank und gruß

    Antworten